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Das erste Mal das eigene Boot zu Wasser lassen

Am 07. April sollte es so weit sein… Die gute Irmi sollte zurück in ihr Element.
Ihr könnt euch nicht vorstellen wie aufgeregt wir waren!!!
Seit November hat die Irmi offiziell den Eigner gewechselt und wir waren oft da gewesen um sauber zu machen, kleinere Reparaturen vorzunehmen und uns mit ihren Ecken und Kanten, Schabs, Backskisten, Schwalbennestern und der Bilge vertraut zu machen.
Die gute Irmi hat nun ja schon einige Jahre hinter sich und kam nicht gerade im sauberstem und hübschestem Zustand zu uns… So fanden wir unzählige Überreste der Voreigner: verrostete Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, Stifte, Spüli (-ausgelaufen-im ekligsten Kühlschrank weit und breit), Pfandflaschen, Staub, Sand, Schimmel, Spinnennester, Späne, Münzen, Essig, alte Lappen, ach und ich weiß gar nicht mehr was alles 😉
Also, wir waren gut beschäftigt mal so richtig sauber zu machen und krabbelten mehrfach in jede noch so kleine Ecke des Schiffes. Immer bewaffnet mit irgendeinem Lappen, Wasser und einem Putzmittel (irgendwas Umweltfreundliches) und oft mit Gummihandschuhen.
Nicht selten schauten wir uns an und schüttelten die Köpfe… Wir fragten uns wie es wohl dazu kommt, dass ein Schiff so verloddert (ungepflegt/verkommen gelassen) wird.

Ja und dann wurde es immer Kälter und Irmi bekam eine Decke aus Schnee und Eis. Da war es echt nicht mehr ganz einfach irgendwas am Schiff zu machen… Wir trugen mehrere Schichten Klamotten am Körper plus dicke Jacken, Schuhe, Mützen und Schals- Haste schon mal so in einem relativ engen Raum gearbeitet? Kannste knicken, schockt nicht!

Das war nichts mit der Arbeit

In der Zeit waren wir nicht mehr jedes Wochenende Freitag bis Sonntag da… Manchmal blieben wir zu Hause… in der Zeit überlegten wir uns die nächsten Reparaturschritte, suchten in Katalogen und Fachmärkten das entsprechende Material und organisierten uns mögliche Helfer für bestimmte Arbeiten. Auch das Hauptsteckshott bekam eine neue Lackierung… Einmal alles herunter geschliffen und jede Seite mit 8 Anstrichen klarem Bootslack versorgt- Man war ich oft in dieser Werkstatt! (Danke an dieser Stelle an Jan, dass ich das in deiner Werkstatt machen durfte!♥)

Irmi im Winter

Der Winter nervte dezent… Aber zum Glück gibt`s ja hier in Norddeutschland keine so lang anhaltenden Winterepisoden… sobald es wieder auch nur einen Hauch wärmer wurde, waren wir zurück an Ort und Stelle und tatkräftig beschäftigt.
Und der Krantermin rückte immer näher… Ich bat meinen Bruder, am Anfang des Jahres schon, mit mir die Scheiben auf der Irmi zu tauschen. Er ist selbstständiger Glasermeister und führt einen eigenen Betrieb (Glaserei Manske). Dementsprechend war es zeitlich nicht einfach einen Termin zu vereinbaren… Er sah ein kleines freies Zeitfenster am 06.04. und ich betete zur Sonne, dass es an diesem Tag trocken und angemessen warm sein würde, damit die Klebstoffe verarbeitet werden können.
Es ging alles gut… das Wetter war fantastisch, sonnig und warm… Robin war gut vorbereitet, brachte alle Werkzeuge und Materialien mit und hatte sogar noch seine Freundin und einen Freund dabei… Es lief reibungslos… etwas langsamer als geplant, aber das war okay.
Am Ende des Tages war es geschafft… Irmi hatte nun endlich Tageslicht im Schiffsinneren und es sollte nun nicht mehr hereinregnen.
Eine Woche vorher haben Jessi und ich das Antifouling aufgetragen… Dann kann es doch jetzt losgehen oder?! Oder ist noch irgendwas zu erledigen? Hätten wir noch etwas machen

Jessi streicht das Antifouling

müssen? Haben wir irgendwas wichtiges vergessen? Mein Kopf platzte fast!!! Ich telefonierte abends mit Jessi und wir freuten uns beide so sehr auf den nächsten Tag.
Ich schlief die letzte Nacht bei Jens an Bord, weil er schon im Wasser war und den Ofen einheizte. Ich war so aufgeregt und aufgedreht… Ich glaube ich quatschte ihnen riesige Frikadellen an die Ohren. Doch Jens und H. hörten mir geduldig zu, gaben mir Tipps für den nächsten Tag und die kommende Saison… Die beiden sind so erfahren, wundervoll tiefenentspannt und konnten mich so weit beruhigen, dass ich irgendwann tatsächlich gut einschlafen konnte.
Am nächsten Morgen kam Jessi nach ihrem Nachtdienst mit frischen Brötchen vorbei und war genauso aufgeregt wie ich. Wir aßen eine Kleinigkeit und machten uns auf den Weg zu Irmi.
Dort angekommen war der Kran schon in vollem Gange. Ein Schiff nach dem Anderen wurde zurück ins Wasser gesetzt und verließ zum Teil direkt den Hafen, in Richtung Sommerliegeplatz.
Wir waren damit beschäftigt die letzten Vorbereitungen zu erledigen… Zum Beispiel die Batterie anschließen, die Schellen der Cockpitauslässe nochmal nachzuziehen, die neuen Polster ins Boot zu bringen und so weiter.

Gute Laune!!! Spass bei der Arbeit!

Dann war es so weit… Wir waren dran!
Vier Mann vier Ecken (Gurte)… Ich stand an Deck und hakte die Gurte in die Haken vom Kran ein. Jessi kümmerte sich darum das Ganze fotografisch einzufangen.
Schnell runter vom Boot, der Kran will anheben… Zack nochmal eben die Farbrolle vom Nachbarn ausgeliehen und dort Antifouling aufgetragen, wo die Pratzen vom Bock waren, damit da ja kein Bewuchs dran geht 😉
Und dann ging es ganz schnell… Irmi schwebte über dem Boden und war wenige Minuten später im Wasser.

Kurz vor dem eintauchen ins Wasser

Wow… Krass… da schwimmt sie… Wahnsinn… Wir hätten fast geheult vor Euphorie und grinsten so sehr, dass sich unsere Mundwinkel fast am Hinterkopf trafen…
Zack an Bord…die Bewegungen spüren… das Wasser an der Außenhaut plätschern hören… Sich umsehen und das Wasser so nah sehen können… Keine Leiter mehr hinauf oder hinabsteigen… Irre!
Wir saßen im Cockpit und konnten erstmal verschnaufen. Die Jungs vom Hafen und vom Kran machten Feierabend… Wir mussten uns nicht beeilen mit dem Ablegen.
Jens kam an. Er kam mit seinem Schiff herüber, um uns auf dem Wasserweg zu begleiten.
Irgendwann nach einiger Zeit waren wir so weit. Wir starteten den Motor, nahmen die Leinen ab und fuhren los… Allein… Aufgeregt und etwas zittrig… Ohne jemanden an Bord zu haben, der wirklich segeln konnte oder etwas von Motoren versteht…
Okay dachten wir… Wozu haben wir eigentlich ein Segelboot?! Also -zack- Großsegel hochgezogen und Motor ausgestellt… Die Genua haben wir noch nicht angeschlagen gehabt.
Wow… das war der Hammer! Wir segelten… ganz allein♥ Gefühl von Freiheit und Abenteuerlust stieg in uns auf! Wahnsinn!!! Wir genossen die Ruhe und das sanfte Fahren durchs Wasser. Die Irmi lief super♥

Ein unfassbarer Moment♥

Wir waren stolz wie Bolle, als wir dann bei uns im „Wunsch-Hafen“ einliefen. Wir machten fest und die Anspannung fiel ab… Wir öffneten jeder erstmal ein Bier und prosteten uns zu.
Nach und nach kamen immer mehr Leute aus dem Hafen an Bord. Wir kannten uns ja und sie freuten sich mit uns über die Irmi… Es war ein herzliches Willkommen in die Saison auf eigenem Kiel. Wir saßen mit 9 Leuten auf unserer kleinen Irmi, das war gemütlich und die Stimmung war perfekt!
Nun konnten wir starten… unser kleines großes Abenteuer… unser wundervolles Hobby… unsere Leidenschaft… unser neues Lebensgefühl… unsere Freiheit…
Wow♥

Eure Kim
                                 

Kim

Das ist Kim, eine segelbegeisterte, lebensfrohe und energievolle Frau, die den Schritt zum eigenen Boot wagt. Die gute Irmi scheint ihr als angemessenes Geschenk zum 30. Geburtstag (2018). Was sie so erlebt, repariert, testet, sich ausdenkt und zu berichten hat schreibt sie auf, dreht sie Videos von, hält sie in Bildern fest und spricht sie in ihrem Podcast ein. Manchmal ist sie allein, öfter hat sie ihre Freunde oder interessante Menschen an Bord. Immer ist irgendwas los, es wird nie langweilig!!!Sie hat den großen Traum um die Welt zu segeln... bis dahin sammelt sie Erfahrungen auf der Ostsee oder wo sie hin eingeladen wird. Weitere Wassersportarten werden ausprobiert und finden ggf. einen Platz in ihrem Repertoire. Sie genießt das Leben und nimmt Dich ein Stück mit... Ihre Devise: "Gib`nicht auf, sondern kämpfe für deine Träume und dann SPRING` einfach! Sturm oder Flaute - der Segelblog für Alle!

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