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Sömmertörn Teil II

Moin und Hallo aus dem (aktuell) sonnigemn Norden Deutschlands… Der Sommer kommt nochmal kurz etwas zurück, wie schön♥

Ich habe euch ja schon angekündigt, dass ich euch meine persönliche Meinung, Eindrücke und Erlebnisse von dem diesjährigen Sommertörn beschreiben möchte. Und dies möchte ich nun gleich auch machen.

Ich gebe euch mal kurz eine Übersicht über den Törnverlauf und dazu jeweils kurze Sequenzen von Highlights, Erlebnissen, Erkenntnissen o.ä.

Die Hörversion ❤️
Hier das passende Video zum Törn

Und noch eins generell vorab: Dies war meine erste, selbstbestimmte Segelreise. Ich kannte schon ein paar Häfen und Inseln, aber ich habe noch nie die Törnplanung eigenverantwortlich gemacht.
Ich bin mit jedem Manöver ein Stück gewachsen und jetzt am Ende total glücklich, dass alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist.♥

23.07. Kiel-Damp ( ~16sm)
Wie der Start war, könnt ihr hier lesen 🙂

24.07. Damp-Modersitzki (~8sm)
Das Wetter war herrlich, der Wind moderat und günstig, um in die Schlei zu segeln. Nach dem Ablegen setzten wir erstmal nur das Großsegel. Wir wollen schauen, wie alles läuft und funktioniert. Ella kennenlernen.
Nach kurzer Zeit aber, ließen wir auch die Fock mitmachen 🙂
Ella lief konstante 5 Knoten und es war einfach nur schön.
Vor der Schleimündung gab es dann leichte Probleme das Vorsegel wieder einzurollen. Jessi saß auf dem Vorschiff und nahm sich dem Problem an. Es schaukelte recht ordentlich, aber sie schaffte es und kam mit genässtem Unterkörper zurück. In ein paar Wellen tauchte Ella manchmal mit ihrer Nase etwas ein…
Unter Motor fuhren wir dann die Schlei ein Stück hoch bis nach Modersitzki.
In diesem kleinen, gemütlichen Hafen lieferten wir einen super coolen Anleger in einer Box hin… (Darüber freuten wir uns jedes Mal, wenn einfach alles lässig und ohne große Aufregung ablief)
Am Abend kochten wir mit unserem Stegnachbarn gemeinsam eine leckere Gemüsepfanne und tranken ein Bier unterm Sternenhimmel.

25.07. Modersitzki- Marstal (~25sm)
An diesem Tag setzten wir rüber nach Dänemark. Die Sonne schien die ganze Zeit, der Wind frischte am späten Nachmittag etwas auf. Wir mussten nicht viel machen… Einmal die Segel eingestellt, liefen wir entspannt auf der einen Backe rüber nach Ærø. Kurz vor der Landspitze mussten wir dann 2 oder 3 mal wenden, bis wir vor der Hafenzufahrt Marstal waren. Auch da gab es wieder Probleme mit dem Wegrollen der Fock. Ungefähr das letzte Drittel ging nicht mehr weg.
Diesmal ging ich nach vorne… es war nichts zu machen, außer die Schoten abschlagen und irgendwie das restliche Tuch aufwickeln und notdürftig festzubinden.
Ella stampfte ordentlich und ich musste mich gut fest halten. Irgendwie hab ich das dann geschafft und nahm auch schnell das Großsegel runter.
Puh… gerad mal so geschafft.
Im Hafen wartete schon Mathias Ziegler mit seinen beiden Kindern auf uns. Wir hatten uns im Vorfeld zum Grillen verabredet.
Nachdem wir angelegt hatten und unsere Story mit dem Vorsegel erzählten, kam ein Stegnachbar mit Stropp und kleiner Rolle herüber. Gegen ein Bier sorgte er dafür, dass es nun keine Probleme mehr mit der Rollreffanlage geben werde. (Er veränderte den Zug der Reffleine, durch die kleine zusätzliche Rolle.)
Grillen bei Matthias an Bord war sehr lecker, gemütlich und unterhaltsam. Seine Kinder waren so witzig 😉
*Schön, euch kennengelernt zu haben, Matthias!*

26.-27.07. Hafentage in Marstal
Jessi und ich waren uns einig, dass wir nach dem (für uns) enorm frühen Ablegen aller Boote, mit denen wir im Päckchen lagen, wir auf jeden Fall nochmal n bisschen chillen wollten.
Wir frühstückten ausgiebig und liefen mal zum SuperBrugsen… Ich mag ja Marstal. Ich finde es süß dort.
Am Nachmittag saßen wir unter nem Tuch, aus Schutz vor der prallen Sonne, im Cockpit. Jessi las in ihrem Buch, ich arbeitete etwas am Laptop. Anschließend wurde gebadet. Einfach Zack achteraus ins Wasser. Herrlich! So muss Urlaub sein.
Phillip Rosenplaenter und sein Miteigner Jens meldeten sich über den Blog, weil sie mitbekommen hatten, dass wir in Marstal sind. Es war ja Wochenende und sie wollten aus Heiligenhafen rüber kommen. Cool!
Da der Wind recht stark angesagt war für den Folgetag, wollten wir eh im Hafen bleiben. Und als klar war, dass wir nächsten Tag nicht segeln würden, gab es einen Ausflug in den Pub… Schöner Abend.
Am nächsten Tag waren wir dann mit Phillip und Jens verabredet. Als wir dort an Bord kamen, gab es erstmal direkt nen Konter-Weißwein… *hhahha* SO muss das 😉
Nach einer spontanen Badesession mit Wein im Wasser, kochten wir gemeinsam bei den beiden an Bord und verbrachten den Abend zusammen.
*Schön, dass ihr da wart!*

28.07. Marstal-Lyø (vor Anker) (~23sm)
Am Vormittag gab es noch ziemlich Wind. Jessi und ich verabschiedeten Phillip und Jens und waren froh, dass wir noch nicht los mussten. Die beiden hatten halt einige Seemeilen vor sich und wollten am Sonntag nicht allzu spät zurück sein. Wir konnten bis zum Nachmittag abwarten und ablegen, wenn der Wind etwas runtergegangen war.
Wir gingen nochmal einkaufen und besorgten einen leckeren kleinen Dagekage nachträglich zum Geburtstag von unserem guten Freund Jens (aus unserem Heimathafen in Kiel). Wir waren nämlich am Abend mit ihm in Lyø verabredet.
Das Ablegen verlieffür die Verhältnisse mit dem auflandigen Wind ganz gut. Wir besprachen vorher gemeinsam das Manöver. Dann kam es doch anders und wir mussten, wie alle an dem Tag, auch rückwärts aus der Gasse fahren. (Ich war rückwärtsfahren nicht gewohnt und hatte immer Angst durcheinander mit dem Steuern zu kommen…dies hat sich mittlerweile gelegt!)
Das Segeln bis nach Lyø war super schön und entspannt.
Jens war an dem Tag aus Kiel gestartet und erreichte die Insel kurz vor uns. Er rief an und verkündete, dass wir ankern sollten, weil der Hafen total überfüllt sei. OKAY!
Als wir in der kleinen süßen Ankerbucht ankamen, hatte er schon sein Eisen im Wasser und an Backbord legte gerade Hartmut, auch aus unserem Heimathafen, an. Wir nahmen das Vorsegel weg und freuten uns, beide zu sehen.
Ich wollte bei Jens an Steuerbord anlegen und mit einem Aufschießer parallel aufstoppen. Ich erzählte Jessi von meinem Wunsch-Manöver. Sie stand auf dem Vorschiff bereit.
Ich steuerte um das Heck seines Bootes herum und warf das Großsegel herunter, Jessi half kurz mit und stand dann 3 Sek später mit der Vorleine in der Hand auf dem Vorschiff.
Zack… Zack… hatten Jens und Hartmut unsere Leinen bei ihm an Bord festgebunden und Jessi und ich gaben uns ein High-Five.
Wieder so ein lässiges Anlegemanöver. COOL!
Nach den Geburtstagsglückwünschen und dem leckeren Kuchen, gab es dann mega leckere Wraps und einen Austausch über die vergangenen Tage.

29.-30.07. Hafentage Lyø
Am nächsten Morgen beobachteten wir das wilde Ein- und Ausfahren im Hafen und legten setzten dann am späten Vormittag dann auch nach drüben. Unfassbar, aber gegen 10Uhr war es kaum noch möglich bis unmöglich eine freie Box zu bekommen. Wir lagen im 2. Päckchen an einer dänischen Yacht.
Abends gingen wir im Cafe Lyø eine Pizza essen. Dies wurde uns empfohlen und ich kann euch sagen: LECKER! Wenn ihr mal nach Lyø kommt… esst dort Pizza ♥
Am nächsten Tag waren wir einfach zu faul zum Segeln. Wir putzten das Boot, wuschen im Cockpit unsere Wäsche und badeten in der Badebucht. Auch die ist uneingeschränkt zu empfehlen! So wundervoll klares, blaues Wasser-TRAUMHAFT!
Wir fühlten uns wie im „Cluburlaub in der Karibik“ 😉

31.07. Lyø- Assens (~21sm)
Wir bekamen von Björn Ole Pfannkuche und Robert Patzwald eine Nachricht, dass sie in Assens sind und sich über ein Kennenlernen freuen würden. Wir wollten eh gerne noch etwas mehr in Norden und der Wind stand günstig. Nach dem Frühstück legten wir ab und machten uns auf den Weg nach Assens. Alles verlief gut und entspannt, außer auf den letzten 3-4 Meilen. Da frischte der Wind auf und ein Gewitter zog hinter uns auf. Wir segelten dann etwas näher an die Küste heran, um etwas Schutz zu suchen. Ein anderes Segelboot kreuzte unseren Kurs und blieb relativ auf Kollisionskurs. Jessi und ich erinnerten uns nochmal an die Vorfahrtsregeln und da unsere Segel an Backbord waren, waren wir Kurshaltepflichtig.
Der Skipper vom anderen Boot segelte knapp an unserem Heck vorbei und rief uns irgendwas zu… Wir fragten uns, ob wir doch etwas falsch gemacht hatten.
In einem späteren Telefonat mit Hannes Werner-von der mobilen Bootsfahrschule, klärte sich jedoch, dass wir recht hatten 🙂
Kurz vorm Hafen hatten wir mittlerweile Ölzeug an und bargen schnell die Segel, weil es mittlerweile zu Regnen begonnen hatte und die fetten Gewitterwolken standen genau über uns. Im Hafen machten wir fix in einer Box fest und verkrochen uns unter Deck. Nach dem Regen kam sogar noch einmal die Sonne raus und wir bekamen von Björn und Ole besuch. Ein Abend mit dem ein oder anderen Bier und viel interessanten und lustigen Gesprächen nahm seinen Lauf.

01.08. Assens-Bågø (~3,5sm)
Assens gefiel uns nicht sonderlich und wir verabredeten uns mit Björn und Robert zum Burger Essen auf Bågø. Mit Robert kauften wir alles Nötige im Supermarkt ein und wollten los. Björn und Robert legten mit ihrem wunderschönen Folkeboot direkt ab. Am Horizont zog, von Land her, eine große dunkle Wolkenfront auf. Ich checkte erneut das Wetter. Es war nichts vorhergesagt. Ein anderer Segler am Steg meinte auch, dass es bis Bågø gut gehen sollte. Also legten wir auch ab. Die kleine Distanz legten wir mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ca 1-2 Knoten ganz entspannt zurück. Die Wolken zogen um uns herum und wir hatten herrliches Wetter. Bikinisegeln war angesagt 😉
Im Hafen angekommen, waren alle Menschen sehr nett und halfen uns direkt eine Box zu finden. Was für ein kleiner süßer Hafen!
In der Gemeinschaftsgrillhütte trafen wir am Abend zusammen und grillten und Burger, Rosmarinkartoffeln und saßen bis in den späten Abend zusammen.
*Wie toll euch kennengelernt zu haben!*

02.08. Bågø-Dyvig (vor Anker) (~21sm)
Die Dyvig wurde uns von so vielen Seglern empfohlen. Dort wollten wir unbedingt auch mal hin! Also los… Flautensegeln… Yeah 😉 *Hahha*
Immer wieder mal den Motor gestartet, um mal ein bisschen vorwärts zu kommen. Aber so eine Flautensegelei ist auch mal ganz nett, um innezuhalten, zu lesen, zu schlafen oder auch um zum Beispiel zu backen. Ich setzte einen Teig an und backte in dem coolen Omnia-Ofen ein leckeres Zwiebelbrot.
Kurz vor dem Sonnenuntergang erreichten wir die Dyvig. Jessi und ich hatten noch einmal kurz das Bedürfnis eine Toilette an Land aufzusuchen und legten im Päckchen am Steg vom Badehotel an. Auf dem Rückweg von den Wc`s hielten wir an einem kleinen Segelboot aus Flensburg an. Wir schauten uns um und stellten fest, dass dieses Boot irgendwie nicht in diesen Hafen passt. Alle Boote dort waren einfach riesig und mega luxuriös… Jörn hörte uns sprechen und blickte an seiner Sprayhood vorbei. Er erkannte mich vom Blog und lud uns auf ein Bier zu sich an Bord ein.

Und dann gab es eine richtig (be)lustig(ende) Situation:
Ich bereite auf dem Vorschiff den Anker vor. Da ruft jemand „Hallo, junge Frau?!“ Ich schau mich um und sehe einen Mann am Steg stehen.
Er: „Wie sieht`s denn aus mit Hafengeld?!
Ich: „Ne, ne, wir gehen vor Anker. Wir waren nur ein paar Minuten hier.“
Er: „Aber Sie müssen jetzt Hafengeld bezahlen. Sie sind doch die Mädchen, die gerade hier über den Steg liefen mit frischen Haaren. Sie haben Wasser genutzt. Sie haben doch geduscht.“
Ich: „Ehm, ja wir sind über den Steg gelaufen, aber wir haben nicht geduscht.“
Er: „Doch,doch… Ihr habt doch geduscht.“
Ich wiederholte, dass ich nicht geduscht habe und war froh, als Jörn dazu kam und dem Hafenmeister versicherte, dass wir bei ihm kurz an Bord waren…

Nach dem Ablegen war dies unser neuer running-Gag… Und wir stellten fest, dass „Du hast doch geduscht“ in ziemlich jeder Situation eingesetzt werden kann. Probiert es mal 😉

Später vor Anker gab es dann noch einen lustigen Abend auf dem Boot nebenan. 6 junge Männer aus Kiel, segelten ein verlängertes Wochenende mit dem Boot aus ihrer Studentenvereinigung nach DK. Wir kamen ins Gespräch und zack, war ne Leine rüber geworfen, die Hecks zueinander gezogen und wir saßen bei ihnen im Cockpit.
Coole Truppe! Schönes Boot!

03.08. Dyvig-Sønderborg (~12sm)
Huiuiui… nach einer kurzen Nacht wurde ich wach, weil die Jungs von nebenan schon Halligalli veranstalteten. Ich sprang in meinen Bikini und ab ins Wasser. Perfekter Start!
Jörn kam mit seinem Boot auch noch dazu.
Nach dem Frühstück lichteten wir den Anker und wollten uns auf den Weg nach Sønderborg machen. Dort waren wir abends zum Grillen mit Tommy Goldpfote und Manuel Ochs verabredet.
Es war wenig bis kein Wind und die Sonne knallte.
Jessi hielt Mittagsschlaf im Schatten unter Deck. Ich segelte in der Flaute. Jörn war auch in die Richtung unterwegs und funkte uns an. Ihm war es zu wenig Wind und er wolle den Anker nochmal werfen, um ne Runde zu baden. Fand ich ne gute Idee. Ich segelte an die Seite und band an seinem Boot fest. Die Abkühlung tat gut! Dann warf ich den Motor an und jessi kochte uns Pasta. Wir tauschten die Wache. Sie übernahm die Pinne, ich legte mich hin. Kurz vor Sønderborg rief sie mich raus und wir fuhren unter den Brücken hindurch, bis zum Yachthafen.
Dort warteten schon Tommy und Manuel. Irgendwann hatten wir eine passende Box gefunden und festgemacht.
Nach einem großen Anlegebier gingen wir gemeinsam einkaufen und als es schon fast dunkel war, starteten wir den Grill. Ich glaub die beiden Männer waren fast verhungert und haben sich nur an den Kopf gefasst… Jessi und ich waren irgendwie die ganze Zeit völlig überdreht, nur albern und am kichern… Wahrscheinlich, weil wir jeder den halben Tag geschlafen und kaum miteinander geredet hatten…
*Entschuldigung Tommy und Manuel! Es war trotzdem schön, euch kennen gelernt zu haben!*

04.08. Sønderborg-Mommark (~19sm)
Aufgrund von Stephan Boden`s Buch „dänische Südseeperlen“ wollten wir unbedingt nach Mommark segeln, um Meeresschaum zu trinken. Danke an Stephan für diesen Tipp! Das Getränk war super lecker. Und dieser Hafen… mit diesem Hafenmeister… Hammer! So ein unfassbar niedlicher Hafen, mit so wundervoller Atmosphäre und ein so unfassbar netter Hafenmeister. Ich bin schlichtweg verliebt in Mommark und würde sagen, dieser Ort war mein Highlight♥
*Mange tak Carsten for det dejlig havn og timer i mommark! Jeg skal kommer tilbage!*

05.08. Hafentag Mommark
Mommark ist einfach so schön, da wollten wir gern noch etwas bleiben.
Das Frühstück startete etwas holprig… Jessi hatte gerade alles fertig gehabt und schön aufgedeckt. Ich kam vom Duschen zurück, setzte mich an den Tisch, trank einen Schluck Kaffee, lehnte mich zurück und berührte ganz leicht die hochgeklappte Tischplatte… *Krawums* krachte der ganze Tisch nach unten und alles knallte nach unten. Die tassen zersprangen, überall lagen nun Scherben und Kaffee und Dinge. Na super… Also erstmal Action… Der 2. Versuch klappte dann besser…
Ansonsten verbrachten wir den Tag entspannt am Strand und einem Spaziergang. Jessi las eine ganze Zeit, ich arbeitete ein paar Mails ab. Am Abend warf Jessi ne Münze, weil wir uns nicht entscheiden konnten, ob wir kochen oder im Hafen essen gehen sollten. Zum Glück warf Jessi „Kopf“ und wir aßen fantastische Burger. (Es war so ziemlich der teuerste Abend, aber das gönnten wir uns einfach mal.)

06.08. Mommark-Avernakø (~18sm)
Allmählich ging es in Richtung nach Hause… Es war noch Zeit, ja. Jedoch planten wir unsere nächsten Ziele in diese Richtung.
Eigentlich wollten wir nochmal nach Lyø, weil es dort so schön war.
Kurz vorm Hafen bekamen wir allerdings eine Unterhaltung zweier Segler per Funk mit. Der Eine sagte, dass der Hafen völlig überfüllt sei und man nur „das Eisen schmeißen“ könne. Sie verabredeten sich in der Ankerbucht.
Wir hatten keine Lust zu ankern. Ein Blick auf die Karte…
Planänderung-wir gehen nach Dyreborg.
Im Hafen angekommen, machen wir uns auf die Suche nach einer schönen Badestelle. Nichts zu finden. Jeder Strandabschnitt abgesperrt als Privatstrand. Hmm… besonders schön und einladend war es im Hafen auf nicht… Planänderung-wir gehen nach Avernakø.
Zack, Motor an, Leinen los, Segel hoch, rüber da.
Die knappen 3sm segelten wir fix da rüber. Ca 2sm vorm Hafen zog plötzlich ordentlich Wind auf und in den Wolken blitzte es schon. Leichtes Grummeln war auch zu hören… OHOH…
Wir ließen die Segel so lange es ging stehen, zogen uns schon das Ölzeug an und hofften rechtzeitig im Hafen fest zu sein. Als wir ca ne halbe sm vorm Hafen waren, nahmen wir die Segel runter und liefen mit recht starken Böen in den Hafen ein. Zum Glück war direkt was frei und wir konnten Ella problemlos schnell anbinden.
Beim Großsegel brach ein Mastrutscher, der das Segel am/im Mast führt. An Bord fanden wir 2 Ersatzrutscher, jedoch passten sie nicht in die Führungsschiene und rutschten bei leichtem Zug direkt wieder raus.
Wir gingen durch den Hafen und sprachen ein paar Leute auf ihren Booten an, ob sie ein passendes Teil haben. Irgendwann trafen wir auf einen netten Skipper, der einen passenden Rutscher dabei hatte und ihn uns schenkte. *Danke SailAway!*

07.08. Avernakø-Skarø-Marstal (~25,5sm)
Stephan Boden hatte noch einen kulinarischen Tipp in seinem Buch erwähnt… EIS♥
Es sollte auf Skarø das leckerste Eis in Dänemark geben. Sogar die Königin ließ es sich liefern. Ein Bio-Eis mit Birkensaft. Das wollten wir uns natürlcih nicht entgehen lassen. Die Windvorhersage war günstig, um morgens da hin zu kommen. Am Nachmittag war ein stärkeres Windfenster angekündigt, mit Regen. Zum Abend ging der Wind wieder runter und stand gut, um nach Marstal zu kommen. Perfekt.
Also ging der Wecker früh und das Frühstück fix.
Herrliches Segeln!
In der Hafeneinfahrt lag gerade eine Fähre, neben dem Hafen war es flach und ich las in den Hafenbüchern, dass es gelegentlich zu Versandungen im Hafenbecken kommen könnte. Ich hatte den Blick auf der Karte und der Logge. Ich wollte etwas Platz zum heck der Fähre lassen, um nicht in den Schraubensog zu kommen. Und dann passierte das, was wohl jedem Segler irgendwann passiert… Ella stand plötzlich still und bewegte sich nicht weiter. Wir hatten uns fest gefahren. Mist!
Vollgas vorwärts, Vollgas rückwärts, Vorsegel raus, schwer machen an einer Seite des Bootes-um es schräger zu machen… nichts half. Im Hafen sahen wir Menschen winken und dann kam ein kleines Motorboot. Der dänische Mann nahm von uns eine Vorleine und schaffte es irgendwann Ella auf dem Teller zu drehen und wir kamen frei.
Wir fuhren dann dezent erötet in den Hafen. Irgendwer klatschte. ich rief „Alles für`s Eis“ 😉
Dies ließen wir uns dann auch ausgiebig schmecken, während ein Gewitter mit reichlich Regen über uns hinweg zog.
Als die Sonne wieder raus kam legten wir ab und setzten Kurs gen Marstal.
Dies war navigatorisch der anspruchsvollste Teil des Törns. Zwischen den Inseln entlang, teilweise relativ schmale Fahrwasser, zum Teil ordentlich Strömung und ansteigender Wind.
Fast hätte ich auf der Karte einen Stein übersehen… bzw. hab ich ihn beim Routestecken übersehen und nur in allerletzter Sekunde die Pinne herumgerissen. Das hätte richtig übel geendet, glaube ich. Zum Glück ist nichts passiert.
Am Ende des Tages waren wir müde und glücklich. Es war ein richtig schöner Segeltag!
Nach Einbruch der Dunkelheit lief noch ein Boot in unsere Boxengasse ein. Ich schaute nach draußen und erkannte das Boot sofort. Es war ein Segler aus unserem Heimathafen. Auch sein Sommertörn ging zuende und er wollte am darauffolgenden Tag auch den starken Wind im Hafen abwettern.
Er legte neben uns an und wir tranken später noch gemeinsam ein Glas Wein. An diesem Abend regnete es eine Sternschnuppe nach der Anderen. Ich zählte 13 an der Zahl… ♥

08.08. Hafentag Marstal
An diesem Tag war viel Wind und wir waren froh im sicheren Hafen zu sein. Wir gingen morgens, vorm Frühstück einkaufen und kamen mit entsprechend vollen Tüten zurück (hungrig einkaufen zu gehen ist meistens teuer …hahha). Nach einem ausgiebigen Frühstück mit baked Beans, Rührei, Kakao, Salzkaramell-Aufstrich machten wir es uns im Salon gemütlich und schauten einen Film auf dem Tablet. Es war ein richtiger Faulenzer-Tag. Muss auch mal sein dürfen, dachten wir uns.
Am frühen Abend gingen wir zu Strand und ließen uns ordentlich durchpusten.
Das war schön, ich mag ja dieses Spüren des Windes auf der Haut und in den Haaren. Ich bin dann immer wieder beeindruckt was Muttererde für Kräfte hat.

Leichte Melancholie kam auch etwas in mir auf… Der Urlaub war zu Ende. Die Zeit in Dänemark war zu Ende. Ich liebe dieses Land sehr und jedes Mal, wenn ich nach ein paar Tagen, wieder nach Deutschland fahre, vermisse ich Dänemark sehr. Ich mag die Sprache, das Land, die Stimmung, die Menschen. *seufz*

Am Abend saßen wir noch bei dem Freund aus dem Heimathafen an Bord. Irgendwann ging Jessi schon in ihre Koje. Als ich später auch an Bord gehen wollte, sah ich, dass ein ganzer Haufen junger Leute im Cockpit auf nem Boot ein paar Boxen neben uns saß. Ich schnappte mir ein Alsterwasser und gesellte mich dazu. Da saßen wir also… mit ca 12 oder 12 Leuten zusammen im Cockpit. Über unseren Knien lag eine Decke und es wurde sich auf deutsch und englisch und teilweise dänisch unterhalten. Das war irgendwie ein ganz süßer und schöner Moment.

Genau so habe ich mir das vorgestellt… Man ist im Hafen und lernt immer wieder neue Menschen kennen. Das kam auf unserer Reise irgendwie relativ wenig vor. Hätten wir uns nicht ständig irgendwo mit irgendwem verabredet, wären wir wohl relativ viel nur unter uns geblieben.
Irgendwie war es oft so, dass alle menschen unter Deck verschwanden, sobald die Sonne untergegangen war. Und dann war im Hafen nichts mehr los. Etwas schade irgendwie.

09.08. Marstal-Kiel (~31sm)
Der Wind war, wie vorhergesagt, runter gegangen und wir legten gegen Mittag ab.
Der Wind ging noch weiter runter, sodass wir zeitweise nur 2,3 Knoten schnell waren… Da war die ETA (Ankunftszeit) irgendwann gegen Mitternacht…
Zum Glück kam dann am späten Nachmittag wieder mehr Wind und wir konnten gute 5kn laufen.
Ab dem Kieler Leuchtturm saßen wir dann in Ölzeug im Cockpit und ließen uns ordentlich naß regnen.
Die Musik lief laut und wir sangen aus vollem Hals mit.
Wir hatten gute Laune und Spaß.
Gegen 21.30 Uhr waren wir im Hafen fest und genossen ein Anlege-Bier.
Die Fahrt war zu Ende. Aus. Finito. Finished. Completed.

Soooo, das war Jessi`s und Meine Sommertour 2019…

Ich hoffe euch haben meine Zeilen gefallen und ich konnte denen, die das Revier schon kennen ein paar schöne Erinnerungen wieder in die Köpfe holen und denen, die die dänische Südsee noch nicht kennen oder sich (noch) nicht getraut haben dort hin zu segeln, ermutigen sich doch auf den Weg in dieses tolle Revier zu machen.
Es ist so ein abwechslungsreiches und anfängerfreundliches Revier. Die Distanzen zwischen den Inseln sind meist sehr gering oder easy zu schaffen. Da kann man sich auch ruhig ausschlafen und entspannt frühstücken gönnen und kommt trotzdem ganz gut herum.

Falls ihr noch Fragen oder Anregungen/Tipps für nächstes Jahr habt, freue ich mich über eure Zeilen.

Lasst die Haare wehen Freunde und klemmt euch nicht.
Eure Kim

Kim

Das ist Kim, eine segelbegeisterte, lebensfrohe und energievolle Frau, die den Schritt zum eigenen Boot wagt. Die gute Irmi scheint ihr als angemessenes Geschenk zum 30. Geburtstag (2018). Was sie so erlebt, repariert, testet, sich ausdenkt und zu berichten hat schreibt sie auf, dreht sie Videos von, hält sie in Bildern fest und spricht sie in ihrem Podcast ein. Manchmal ist sie allein, öfter hat sie ihre Freunde oder interessante Menschen an Bord. Immer ist irgendwas los, es wird nie langweilig!!!Sie hat den großen Traum um die Welt zu segeln... bis dahin sammelt sie Erfahrungen auf der Ostsee oder wo sie hin eingeladen wird. Weitere Wassersportarten werden ausprobiert und finden ggf. einen Platz in ihrem Repertoire. Sie genießt das Leben und nimmt Dich ein Stück mit... Ihre Devise: "Gib`nicht auf, sondern kämpfe für deine Träume und dann SPRING` einfach! Sturm oder Flaute - der Segelblog für Alle!

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