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Ein holpriger Start, aber keinen Moment der Reue

Ahoi und Moin an alle. Ich habe eine neues Boot, wie einige wahrscheinlich schon mitbekommen haben. Und ich dachte ich kann euch schon längst voller Stolz und Freue mein gemütlich eingerichtetes und hübsches Boot präsentieren… Warum es gerade noch nicht der Fall ist und was so los war, seit ich das Boot habe, werde ich euch jetzt mal schildern… Viel Spaß.

Am 07. Oktober fand ich in Berlin mein neues Boot. An Land stehend, eingepackt unter einer Plane, dreckig und verstaubt.
Ich kam mit einer Freundin an und wir inspizierten jeden Winkel. Mir gefiel das Boot auf Anhieb und ich wollte es gern haben.
Ich nahm mir jedoch nach der Besichtigung noch ein paar Tage Bedenkzeit. Immerhin war der Kaufpreis zwar ein Freundschaftspreis, aber eigentlich etwas über meinem Budget. Ich grübelte und rechnete die Tage hin und her, telefonierte mit dem Eigner nochmal und wir fanden eine gemeinsame Lösung.
Es stand also fest: Ich habe ein neues Boot gefunden <3 Ein richtig tolles und für mich perfektes Boot! Eine Bavaria 300.

Dann gingen die Planungen los, wie ich das Boot aus Berlin nach Kiel bekommen würde. Es gab 2 Möglichkeiten: über Land oder Wasser.
Die erste Idee lag dabei das Boot über die Wasserwege zu überführen. Ich begann mit der Törnplanung und rechnete mögliche Kosten und Zeit aus. Zeitgleich kam ein Bekannter auf mich zu und gab mir den Kontakt von Sleepy Yachttransport. Ich rief dort an und ließ mir ein Angebot für den Transport machen.
Da es sich um eine Rückfracht handelte war der Preis etwas geringer und stand finanziell in etwa gleichauf mit dem Überführungstörn. Ich entschied mich dann für den Landweg. Obwohl ich richtig Lust auf das Abenteuer gehabt hätte! Aber in Anbetracht der Zeit, die der Törn in Anspruch nehmen würde, in der ich nicht arbeiten und somit kein Geld verdienen könne, lag es nahe den Transport über die Straße zu wählen.

Also organisierte ich in Berlin mit dem Voreigner die Verladung und den Transport mit Sleepy. Am 19. Oktober wurde mein Boot verladen und am 20. Oktober kam es in Kiel an <3

Die Freude war riesig und die Anspannung auch!

Ich hatte ein paar Freunde mobilisiert, denn das Unterwasserschiff brauchte einen neuen Anitfouling-Anstrich für den Winter. (Schon mal an dieser Stelle ein Riesen Dank an Sven von M.u.H. von der Linden, für die kompetente und liebe Unterstützung! <3<3<3)
Die Anode am Saildrive musste auf Salzwasser getauscht werden und hier und da alles kurz für die Wasserung geprüft werden.
Am Nachmittag sollte das Boot schon ins Wasser gekrant werden.
Ich war angespannt, ob alles reibungslos verlaufen und klappen würde. Denn ich wollte so schnell wie möglich mein neues Boot in den Hafen bekommen, um wieder ein eigenes Zuhause zu haben.

Zum Glück klappte alles reibungslos…bis ins Wasser

Als das Boot im Wasser schwamm, checkten wir alle Borddruchlässe, ob Wasser herein kam. Als alles okay war, lösten wir die Gurte und begannen uns mit dem Starten des Motors auseinander zu setzen. Dies dauerte einen Moment, weil die Spannung der Batterien leider nicht stark genug war. Dank der Hilfe des Hafenmeisters schafften wir es dann aber irgendwann den Motor zu starten. Die Positionsleuchten wurden währenddessen geprüft und in Gang gesetzt. Denn die Dämmerung hatte schon eingesetzt und dann wäre die Überfahrt ohne Beleuchtung nicht möglich.

Und gegen 19.00 Uhr legten wir ab, Richtung nach Hause. Die Überfahrt verlief entspannt und angenehm.
Zuhause angekommen fielen wir alle müde in unsere Kojen. Ich verbrachte die Nacht noch in meinem Bus. Es war zu kalt, chaotisch und ungemütlich an Bord.

Aller Anfang ist schwer

Am nächsten Tag ging es los das Boot zu inspizieren und alles in Betrieb zu nehmen… Und dann tauchten die Baustellen auf… Die Heizung qualmte wie verrückt, die Wasserpumpe lief nicht, einige Luken waren undicht, die Batterien waren kaputt und hier und da gab es kleine Elektrikprobleme… Ich war froh kompetente und motivierte Hilfe an Bord zu haben!
Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche reparierten wir die ganzen Sachen. Ausbauen, reinigen, einbauen, checken, ausbauen, reparieren, einbauen, neu kaufen, einbauen, testen, umbauen, testen usw.
(Ein fettes DANKE an Björn und Jussi<3 Und auch ein riesen Dankeschön an Roman für die neue Verbraucherbatterie!!! Ohne euch wäre es nicht gegangen und ich wäre noch lange nicht soweit gekommen an Bord!!!)

Kleinschrittig voran

Das war soooo anstrengend und zermürbend… Es gab irgendwie nur minimale Fortschritte zu erkennen… Immer wieder die Hoffnung, dass es nun bestimmt funktioniert, dann nach wenigen Tests die Ernüchterung. Und das nur, weil ich gerade kein Budget hatte einfach direkt die Teile neu zu kaufen. Aber es blieb leider doch nicht ganz aus.
Ich bestellte nach einigen Tagen der Bastelei dann doch eine neue Heizung. Denn das ist eines der wichtigsten Elemente an Bord, wenn man den Winter drauf verbringen möchte! WÄRME.
Der Einbau verlief recht reibungslos und auch die ersten Tage der Nutzung waren fehlerfrei. Mittlerweile gibt es jedoch gelegentlich wieder Probleme mit der Spannung und der Auspuff ist wieder undicht. Das heißt, da muss ich nochmal ran! *Wie NERVIG!*
Und ich musste auch die Wasserpumpe ersetzen. Die alte war schon mittlerweile aus 2 Pumpen zusammengesetzt, also quasi ein Frankenstein *hahhhahha* und lief doch nicht zuverlässig. Und immerzu mit einem Kanister an Bord zu wohnen ist auch eher nervig. Der Einbau der neuen Pumpe verlief relativ unkompliziert. Immerhin war ich mittlerweile ein Profi darin. Denn die alte Pumpe habe ich gefühlt 100 Mal ein-und ausgebaut… Ich musste nur die Kabelschuhe tauschen und schon lief sie… für ein paar Minuten… dann flog immer wieder die Sicherung raus. *Wie NERVIG!*
Also bat ich wieder mal um Hilfe und meine fleißigen und kompetenten Helfer installierten kurzerhand eine stärkere Sicherung. Nun läuft bislang das Wasser verlässlich aus dem Hahn.

Und hier noch ein lustiger und kleiner, peinlicher Funfact über mich:

Gestern spuckte der Wasserhahn nur noch sporadisch Wasser aus und die Pumpe lief ununterbrochen. Ich schaltete die Pumpe ab und rief Björn an. Ich klagte ihm mein Leid und meine Verzweiflung mit dieser verdammten Pumpensituation… Ich war felsenfest davon überzeugt, dass schon wieder irgendwo ein Defekt vorläge. Er bat mich ans Schaltpanel zu gehen und den Knopf für die Wassertankanzeige zu betätigen. (Den Schalter hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm.) Und er zeigte nichts an. Ich sagte ihm, dass dies wohl auch defekt sein würde. Er fing laut an zu lachen und versicherte mir, dass die Anzeige gehe und der Tank einfach nur leer sei. Er forderte mich auf den Tank mit Wasser zu füllen. Ich tat wie mir geheißen und *oh Wunder* es kam wieder Wasser aus dem Wasserhahn und die Pumpe arbeitete nur bei Gebrauch. Oh man, das war mir vielleicht peinlich! Das Gelächter war natürlich groß im Hafen. Zurecht. Aber mir wurde auch Verständnis entgegengebracht. Denn in den vergangenen Wochen gab es immer wieder diese Höhen und Tiefen und es war verständlich, dass ich sofort vom Schlimmsten ausging. Etwas peinlich war mir diese Situation trotzdem ein wenig… Aber ich kann ja zum Glück auch gut über mich selber lachen 😉

Ich bin etwas müde und erschöpft, aber ich bereue den Kauf keineswegs!

So anstrengend und herausfordernd die letzten Wochen waren: Ich verliebe mich in mein Boot jeden Tag aufs Neue. Wirklich. Die Raumaufteilung ist genau so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Und wenn ich im Cockpit stehe, sehe ich mich schon Sonnenbaden auf dem Teak liegen oder von der Badeplattform herunterspringen. Ich finde das Boot echt richtig toll und ich freue mich schon auf den nächsten längeren Törn! Und all diese nervigen Anfangsschwierigkeiten werden irgendwann aufhören, da bin ich sicher. Das Boot ist halt einfach schon 30 Jahre alt und seit längerem nicht genutzt worden. Da stehen sich auch einfach mal Dinge kaputt oder sind grundsätzlich in die Jahre gekommen.
Die Lady hat es jedoch verdient ihre zweite Lebenshälfte, im neuen Revier, mit ein paar Erneuerungen, etwas Modernisierung und jede Menge Abenteuer zu erleben <3

Eine Roomtour für euch zu filmen war mir im Moment jedoch noch nicht möglich, weil ich mich noch nicht gänzlich eingelebt bzw. alles so eingerichtet habe, wie ich möchte. An einigen Ecken herrscht noch immer mehr oder weniger Chaos, durch die nötige Instandsetzung. Nicht alle Sachen haben schon ihren finalen Platz gefunden. Ein paar kleinere Umbauten möchte ich noch umsetzen, bevor ich euch einen Einblick gewähre. Denn ich möchte ja gerne repräsentative Aufnahmen machen und nicht so ein halbaufgeräumtes Chaos zeigen. Denn Ordnung ist mir sehr wichtig.
Also müssen wir uns alle noch etwas gedulden 😉 Ich, bis ich den Zustand erreicht habe und ihr, bis ihr bewegte Bilder sehen könnt.

Es gibt aber ein ganz cooles PDF wo ihr euch sehr gut einen Eindruck über mein Boot verschaffen könnt! Schaut gern mal hier rein

Der Mast steht mittlerweile auch und es gab nur ein paar kleine Überraschungen… wie zum Beispiel jede menge getrocknetes Grünzeug an den Terminals der Oberwanten… Da haben wahrscheinlich Wespen genistet. Das war eine Überraschung *Hahhhahha*
Und das Oberwant verkeilte sich, als der Mast stand. Ich wurde hochgezogen und beim daran Wackeln flog es ganz heraus. Wir mussten das Boot dann zum größeren Kran verhohlen und ich musste erneut hoch. Letztlich konnte ich nicht hoch genug gebracht werden, sodass der Hafenmeister am Kran hinaufkletterte und den Terminal einsetzen konnte. Da dies eine nicht ganz ungefährliche Aktion war und ich nicht zum Nachahmen animieren oder derartige Kommentare erhalten möchte, verzichte ich vorerst auf entsprechende Veröffentlichung von dem Bildmaterial 😉

Ich war auch schon einen kleinen Schlag segeln und lag eine Nacht vor Anker. Ich muss sagen ich habe mich super wohl gefühlt! Das war auf der Irmi immer irgendwie anders und ich bevorzugte es immer im Hafen zu nächtigen. Zukünftig kann ich mir allerdings sehr gut vorstellen auch viel öfter vor Anker zu bleiben. Ich bin auch insgesamt ganz gespannt was ich aus der Kiste noch rausholen kann 😉
Aber erstmal konzentriere mich jetzt darauf mich weiter einzuleben, die kleinen „Kinderkrankheiten“ zu beseitigen und es mir an Bord gemütlich/wohnlich zu gestalten. Und wie mein zweiter Winter auf dem Wasser wird, bekommt hier hier natürlich brandaktuell mit 😉

Und dann steht ja auch Weihnachten vor der Tür… Also wird hier bald wieder die weihnachtliche Beleuchtung angebracht <3
Es wird auch eine kleine Aktion für euch geben… *Juhu*
Ich organisiere gerade noch die letzten Dinge und werde euch in den kommenden Tagen informieren. Es wird wieder ein Gewinnspiel geben, so viel sei schon mal verraten.

Nun verabschiede ich mich mal von euch und sage
Lasst die Haare wehen Leute und klemmt euch nicht!

Eure Kim

Kim

Das ist Kim, eine segelbegeisterte, lebensfrohe und energievolle Frau, die den Schritt zum eigenen Boot wagt. Die gute Irmi scheint ihr als angemessenes Geschenk zum 30. Geburtstag (2018). Was sie so erlebt, repariert, testet, sich ausdenkt und zu berichten hat schreibt sie auf, dreht sie Videos von, hält sie in Bildern fest und spricht sie in ihrem Podcast ein. Manchmal ist sie allein, öfter hat sie ihre Freunde oder interessante Menschen an Bord. Immer ist irgendwas los, es wird nie langweilig!!!Sie hat den großen Traum um die Welt zu segeln... bis dahin sammelt sie Erfahrungen auf der Ostsee oder wo sie hin eingeladen wird. Weitere Wassersportarten werden ausprobiert und finden ggf. einen Platz in ihrem Repertoire. Sie genießt das Leben und nimmt Dich ein Stück mit... Ihre Devise: "Gib`nicht auf, sondern kämpfe für deine Träume und dann SPRING` einfach! Sturm oder Flaute - der Segelblog für Alle!

10 Comments

  1. Toller Blog, hat sehr viel Spaß gemacht, hier mitzureden.
    Ahoi und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel,
    Liebe Grüße Uwe, Landratte ohne Mut und Tadel😉

  2. nette Idee, aus solch einem Projekt einen Blog zu machen, haben ja schon diverse andere – erfreulicherweise auch recht hübsche – Skipper/Eignerinnen durchgeführt. Die meisten Segler sind ja (alte *lol*) Männer (wie ich), und Männer sind bekanntlich Augentiere, das erhöht die Wahrnehmungsbereitschaft *schmunzel*
    Vielleiccht ein kleiner Tip: wenn man solche enthusiastischen Blogs verfolgt, geraten die nach kurzer Zeit in ein immergleiches thematisches Fahrwasser und werden zudem regelrechte Bleiwüsten. ich würde daher empfehlen, auf gute Lesbarkeit (denke dran:alte Männer = Brille = große Schrift) und nicht so lange Textblöcke zu achten. Lieber einen kurzen 5-8 minütigen Film , wo das möglich ist. Ich wünsche jedenfaklls viel Spaß und Erfolg und hätte mir vor gut 30 Jahren, als ich mir mein Boot kaufte, eine so enthusiastische und hübsche Co-Eignerin/Co-Skipperin gewünscht. damals gab es aber fast nur Aussteiger/innen oder Rentner auf Weltreise (durch´s Mittlmeer)
    Schön, wenn das Segelfieber heute offensichtlich (wieder) jüngere Altersgruppen packt.

    • Vielen Dank für deine Rückmeldung und Tipps. Ich werde sie beherzigen und freue mich, dass du nun zu meinem zweiten Bootsprojekt dazu gestoßen bist. Ich hoffe bleibst weiterhin interessiert was bei Sturm oder Flaute passiert… PS. Filmaufnahmen mach ich auch echt gern… doch ich finde auch, dass das Lesen in der heutigen Zeit nicht ganz zu weit in den Hintergrund treten sollte 😉 Es ist ein bisschen herausfordernder und hält dadurch den Kopf in Schwung 😉

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